Es ist ein früher Morgen in Frankfurt. Kalt genug, dass der Atem kleine Wolken bildet, aber nicht kalt genug für Handschuhe. Es ist noch recht dunkel, aber nicht mehr Nacht.
Eine S-Bahn Station. Gateway Gardens. Der Name klingt bedeutungsvoller, als es ist. Das ist Frankfurter Flughafen, Hotels, Bürogebäude, Parkplätze. Funktionale Architektur. Ich bin hier, weil ich hier übernachtet habe, nach einem langen Tag voller Eindrücke. Und jetzt möchte ich weiter reisen. Irgendwohin.
Ich bin noch nicht ganz wach. Das ist keine Ausrede, es ist einfach ein Zustand. Der Körper ist in Bewegung, die Augen sind offen, aber der Kopf ist noch nicht angekommen. Autopilot eben, passend zum Ort.
Gleis 1. Ich warte auf die S-Bahn. Ein Mann und eine Frau kommen auf mich zu. Asiatisch, vielleicht chinesisch, vielleicht koreanisch. Sie tragen Rucksäcke, sehen aus wie Reisende, nicht wie Geschäftsleute. Der Mann spricht mich an, höflich, mit leichtem Akzent: „Entschuldigung, wie kommen wir zum Hauptbahnhof?"
Ich nehme mein Handy in die Hand. Automatische Reaktion. Google Maps, meine Bahn-App, Eingabe, Suche. Aber eigentlich brauche ich das nicht. Ich weiß, wo der Hauptbahnhof ist. Ich zeige auf Gleis 2, auf der anderen Seite. “Da drüben. Die S-Bahn in die andere Richtung.”
Sie bedanken sich, lächeln, gehen langsam los. Und in genau diesem Moment trifft mich die Erkenntnis wie ein Eimer kaltes Wasser: Ich will ja auch zum Hauptbahnhof. Und ich stehe am falschen Gleis!
Ohne diese Begegnung wäre ich in die falsche Bahn gestiegen und in die falsche Richtung gefahren. Keine Katastrophe. Aber auch kein guter Start in den Tag.
Ich wechsel den Bahnsteig. Das asiatische Pärchen ist vor mir, sie gehen langsamer als ich, schauen sich um, orientieren sich. Touristen in einer fremden Stadt. Ich überhole sie nicht, ich bleibe hinter ihnen, ohne zu wissen warum.
Die S-Bahn kommt. Ich steige ein. Und dann sehe ich, wie die beiden anderen einfach stehenbleiben. Auf dem Bahnsteig. Die Türen schließen sich, die Bahn fährt los, und sie stehen immer noch da. Keine Eile. Ich schaue ihnen noch einen Moment nach, und denke: Sie haben ihre Mission erfüllt. Danke!