Willkommen
Ich beobachte. Ich schreibe auf, was mir auffällt. Manchmal ist es ein Moment im Café, ein Gespräch im Zug, ein Gedanke beim Kochen oder eine Absurdität auf dem Gehweg.
Hier sammle ich das. Ohne Plan, ohne Timeline und ohne Zielgruppe.
Ich beobachte. Ich schreibe auf, was mir auffällt. Manchmal ist es ein Moment im Café, ein Gespräch im Zug, ein Gedanke beim Kochen oder eine Absurdität auf dem Gehweg.
Hier sammle ich das. Ohne Plan, ohne Timeline und ohne Zielgruppe.
Seit Wochen drehe ich mich im Kreis. Ich will etwas starten – einen Ort für Texte, Beobachtungen, Resonanzerlebnisse. Resonanzwanderer. Aber die Fragen türmen sich: Für wen schreibe ich? Welches Format? Welche Stimme? Unter welchem Namen? Was erwarte ich davon? Planung als Vermeidung. Heute stehe ich in der Küche, Zucchini in der Pfanne, iPad aufgestellt. Auf YouTube ist ein Video, das ich nicht gesucht habe: “Warum wir mehr improvisieren sollten.” Es geht um Jazz. Nicht um Noten, nicht um Theorie – um die Haltung dahinter. Musiker, die nicht wissen, was als nächstes kommt, und genau deshalb spielen. Die den ersten Ton setzen, ohne den zweiten zu kennen. ...
Zwei Stunden zuvor saß ich noch auf einem Freisitz in Nürnberg. Stille, Sonne, keine Raucher. Auf einer Mauer entdeckte ich eine Inschrift, die dort vermutlich seit Jahren steht und die vermutlich niemand liest: „Ein Werk, ein Mensch, ein Wahrnehmen." Einer dieser Tage, an denen die Welt antwortet, bevor man die Frage gestellt hat. Und jetzt sitze ich im ICE 504 Richtung Berlin. Ab Leipzig füllt sich der Zug. Ein 4er-Tisch, auf dem mein Laptop steht, meine Airpods, eine Teetasse, daneben gestapeltes Geschirr. Ich bin da. Ich schaue. Ich höre. Und was jetzt passiert, in den nächsten Minuten, wird ein so vollständiges Gegenbild zu Nürnberg, dass es fast choreografiert wirkt. ...
Es ist ein früher Morgen in Frankfurt. Kalt genug, dass der Atem kleine Wolken bildet, aber nicht kalt genug für Handschuhe. Es ist noch recht dunkel, aber nicht mehr Nacht. Eine S-Bahn Station. Gateway Gardens. Der Name klingt bedeutungsvoller, als es ist. Das ist Frankfurter Flughafen, Hotels, Bürogebäude, Parkplätze. Funktionale Architektur. Ich bin hier, weil ich hier übernachtet habe, nach einem langen Tag voller Eindrücke. Und jetzt möchte ich weiter reisen. Irgendwohin. ...
Der Tag beginnt in einer Lounge. Irgendwo in Berlin, ein Ort, den wenige kennen. Bequeme Sessel, kostenloses WLAN und Strom, Kaffee in kleinen Tassen. Ich sitze da, schreibe ein paar Nachrichten, räume meinen Kopf auf. Draußen ist es grau, aber nicht kalt. Berlin im Übergang, zwischen den Jahreszeiten, zwischen den Stimmungen. Und dann stehe ich auf und gehe los. Ohne Plan, ohne Ziel, ohne Uhrzeit im Blick. Das klingt romantischer, als es ist. In Wahrheit weiß ich nur, dass ich nicht mehr sitzen will. Dass die Stadt draußen ist und ich drinnen, und dass sich das falsch anfühlt. Also gehe ich. Durch die Drehtür, auf die Straße, in die Stadt hinein. ...
Ich sitze oft in Cafés. In Restaurants. Auf Terrassen. Ich bin fast immer allein. Ich habe keinen Laptop dabei, kein Buch vor mir, kein Telefon am Ohr. Ich schaue. Ich höre. Ich bin. Und jedes Mal stelle ich wieder fest: Ich bin der Einzige ohne Begleitung. Die Menschen um mich herum kommen zu zweit, zu dritt, in Gruppen. Sie reden, sie lachen, sie fotografieren ihr Essen, sie scrollen durch Nachrichten. Sie wirken beschäftigt, auch miteinander. Ich sitze da. Bestelle vielleicht einen Cappuccino. Vielleicht ein Glas Wein. Mehr nicht. ...
Ich schaue ein YouTube-Video. Ein junger Mann fährt mit dem Rennrad quer durch Deutschland, 200 Kilometer am Tag, in viereinhalb Tagen von der dänischen Grenze bis zum Bodensee. Er trinkt aus einem Schlauch, isst Schokoriegel während der Fahrt, trackt alles. Und redet dabei in die Kamera. „Ich bin zwei Stunden unterwegs, das heißt, die nächsten Carbs müssen rein. 100 Gramm Datteln haben 65 Gramm Kohlenhydrate, eine Dattel sind sieben Gramm, das heißt zehn Stück sind siebzig Gramm, machen wir also erstmal vierzehn Datteln, nein besser nur dreizehn Datteln für den Anfang." ...